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Büro + Papier Simmendinger GmbH

Betriebsferien vom 27.07. - 12.08.2018

Laden 4 Simmendinger
Laden 3 Simmendinger Jahr 1910
Laden Simmendinger1

Der Kunde kommt immer zuerst:

  • 125 Jahre Schreibwaren Simmendinger in der Böblinger Straße
  • In einer Zeit voller Veränderungen ist die Büro + Papier Simmendinger GmbH seit 125 Jahren ein verlässlicher Partner für ihre Kunden geblieben und wird dies auch weiterhin sein. Aus Anlass des Jubiläums wollen wir aus der wechselvollen Firmengeschichte berichten.

     

    Beinstein an der Rems ist heute ein Teilort von Waiblingen. Hier wurde am 30. November 1862 Christian Simmendinger geboren. Den Namen findet man übrigens heute noch in Beinstein. Erstmal in Stuttgart greifbar ist Christian Simmendinger im Jahr 1889, als er sich im Haus der Weingärtnerwitwe Luise Nanz, Böblinger Straße 84, einmietete und eine kleine Buchbinderei eröffnete. Im Erdgeschoss hatte damals auch der Optiker Gustav Früngel ein Geschäft. Vermutlich dürfte Christian Simmendinger erst im Laufe oder nach Abschluss seiner Ausbildung als Buchbindermeister nach Stuttgart gekommen sein. Möglicherweise war er mit dem Schreiner Ehrenreich Simmendinger oder der Nähterin Marie Simmendinger verwandt, die damals hier lebten.

     

    Heslach war mit rund 7300 Einwohnern um diese Zeit der Ort mit dem höchsten Bevölkerungswachstum in Württemberg. Überall entstanden Wohn- und Geschäftshäuser sowie Gewerbebauten. Weit über 300 Gewerbebetriebe gab es hier, etwa aus dem Bereich Trikotwaren, Maschinenbau, Kartonagen oder Bier, aber auch viele große und kleine Handwerksbetriebe. Heslach war so sehr im Aufblühen, dass der wenige Jahre zuvor gegründete Bürgerverein sich erfolgreich darum bemüht hatte, dass Heslach 1889 in "Karlsvorstadt" umbenannt wurde. Wie man heute sagen würde, sollte das Image als armes Dorf abgelegt werden.

     

    Christian Simmendinger durfte für seine Privat- und kleineren Geschäftskunden bald viel binden. Damals ging dies meist noch mit einfachen Hilfsmitteln vor sich, denn Maschinen kamen erst langsam auf. Selbst Pappen wurden mit dem Messer aus freier Hand geschnitten. Vor allem aber gab es für Christian Simmendinger viel zu verkaufen, denn für jemanden, der ohnehin mit Papier zu tun hat, bot es sich an, dass er neben Buchbindereiartikeln von Anfang an auch "Schreibmaterialien", wie es damals hieß, anbot, und damit in Heslach wohl eine Lücke schloss. Später wurden auch Einrahmungen erledigt. Schnell sprach sich herum, dass er dies alles pünktlich und zuverlässig machte, weshalb die Ansätze für seine Gewerbesteuer in wenigen Jahren um das Vielfache stiegen.

     

    Da verwundert es nicht, dass Christian Simmendinger bald mehr Platz brauchte und sich als echter Schwabe nach etwas Eigenem umschaute. Schräg gegenüber wurde er im Jahr 1906 fündig und kaufte von Weingärtner Wilhelm Stäbler das von diesem im Jahr 1900 unter Einbeziehung eines Gebäudes von 1861 errichtete Wohn- und Geschäftshaus Böblinger Straße 79 samt Hinterhaus. In das Hinterhaus kam die Buchbinderei, im Vorderhaus musste die Zigarrenhandlung Theodor Krehl ausziehen, um der Schreibmaterialienhandlung Simmendinger Platz zu machen, die sich dort bis heute befindet. Der zweite, rechts gelegene Laden zur Böblinger Straße, blieb an den Friseur Wilhelm Schweizer und an das Putzgeschäft von dessen Frau Elise vermietet. Das Putzgeschäft hat übrigens nicht mit putzen oder verputzen zu tun: Die Putzmacherin stellte Kopfbedeckungen für die Heslacher Bürgerinnen her. Mit unternehmerischem Weitblick, schließlich wollte er für seine Kunden schnell erreichbar sein, schaffte sich Christian Simmendinger auch ein Telefon an, das die Nummer 7433 zugewiesen bekam.

     

    Der Sohn des Gründers, Heinrich Simmendinger (1894-1964), übernahm das Geschäft nach dem Ersten Weltkrieg im Jahr 1921. Während er in der Buchbinderei arbeitete, stand Ehefrau Emilie im Laden, über dem die Familie wohnte. Es waren schwere Jahre, die vor allem durch die Inflationsjahre der Weimarer Republik geprägt waren. Die Preise schossen raketenartig in die Höhe und mussten täglich neu festgelegt werden. Heute kann man sich das fast nicht mehr vorstellen. So ist für Hamburg verbürgt, dass ein Radiergummi plötzlich 1000 Mark gekostet hat. Und natürlich wurden dadurch auch die Waren knapp, denn jeder versuchte sie zurückzuhalten, bis die Inflation endete. Als Stammkunde hatte man es schon damals überall leichter, das Gesuchte zu bekommen. Und dann kam nach einer kurzen Blüte der Zweite Weltkrieg: Den Mercedes beschlagnahmten die Nazis aus der Garage heraus. Und wieder wurden die Waren knapp. Pelikan in Hannover war fast der Einzige, der noch Tinte liefern konnte. Das Schlimmste waren aber die schweren Luftangriffe, bei denen Ende Juli 1944 auch das Haus Böblinger Straße 79 zerstört wurde. Die Frontseite des Hauses mit dem prächtigen Erker und den verzierten Fenstereinfassungen war verloren, nur die massiven Erdgeschossmauern blieben erhalten. Auf ihnen konnte nach Kriegsende das Haus in der alten Größe vereinfacht wieder aufgebaut werden.

     

    Ein Jahr nach der Währungsreform konnte das Schreibwarengeschäft im Jahr 1949 wieder eröffnet werden. Es war nun um den bisher getrennten rechten Laden vergrößert, der Geschäftsbereich erweitert, denn seither werden auch Industriekunden beliefert. Durch sein energisches Handeln beim Wiederaufbau des Fachgeschäfts hatte Heinrich Simmendinger einen sicheren Grundstock gelegt, auf den Heinz Simmendinger, der Enkel des Firmengründers, aufbauen konnte, als er 1959 den Betrieb übernahm. Er baute ihn weiter aus und machte ihn "zu einem Markenzeichen unter den Heslacher Fachgeschäften", wie es in einer kleinen Chronik von 1989 heißt. Zukunftsorientiert hatte er sich ganz auf das Schreibwarengeschäft konzentriert und deshalb im Jahr 1980 die Buchbinderei -den Ursprung des Betriebs- an Winfried Schuster übergeben, der seit 1968 bei ihm als Buchbindermeister beschäftigt gewesen war. Acht Jahre später zog die Buchbinderei Schuster in die Schreiberstraße 33 A um, wo sie noch heute zu finden ist. Ein großer Schock war es für die Familie Simmendinger, als sie im August 1972 beim Sommerurlaub telefonisch von dem großen Hagelunwetter in Stuttgart erfuhr: Die zwei-stöckigen Keller waren komplett vollgelaufen und alles Papier, was dort gelagert wurde, war verdorben. Die Gewalt der Wassermassen damals zeigt ein Holzkreuz vom Waldfriedhof, dass nebenan im Hof gefunden wurde.

     

    In der vierten Generation ist heute Marc Simmendinger Eigentümer. Er ist praktisch im Laden aufgewachsen, denn nach der Schule setzte er sich für die Hausaufgaben ins Büro und ging dann abends mit den Eltern in die Wohnung am Südheimer Platz. Er machte eine Ausbildung als Großhandelskaufmann und konnte dabei in zwei fremden Firmen wichtige Erfahrungen sammeln. Zielstrebig war er so für die Übernahme des Geschäfts im Jahr 1989 vorbereitet.

     

    Doch zuvor wurde noch zweieinhalb Monate lang komplett umgebaut. Tragende Wände wurden entfernt und Stahlträger eingezogen. Der Eingang wurde verlegt, damit weniger Stufen nötig sind. Im Verkaufsraum selbst wurden Höhenunterschiede ausgeglichen und ein Verbindungsgang zum Hinterhaus geschaffen, das als Lager dient. Insgesamt wurde die Verkaufs- und Lagerfläche stark vergrößert. Auch im Äußeren erhielt das Fachgeschäft ein modernes "Outfit". Moderne Schaufenster laden dazu ein, sich anzuschauen, was das Geschäft alles bietet. Dessen Größe lassen sie leider nicht erkennen. Dass die beiden Straßenbahnhaltestellen direkt vor dem Laden verlegt wurden, hat dem Geschäft natürlich schon zu schaffen gemacht, doch dafür gibt es nun Kurzparkplätze vor der Ladentür.

     

    Auf 300 qm bietet Marc Simmendinger heute Schreibwaren und Schreibgeräte, Bürobedarf, Bastel- und Geschenkartikel, Glückwunschkarten und vieles mehr. Rund 20 000 Artikel sind im Laden vorrätig – was die jährliche Inventur zur Heidenarbeit macht. Da gibt es sogar umweltfreundliche Heftapparate, die ohne Metallklammern arbeiten, verbiegbare Lineale und Geodreiecke, die kaum kaputt gehen, und in vielen Farben Stifte mit Thermotinte, die auf Hitze regiert. Was gut ist, um Fehler verschwinden zu lassen, kann allerdings auch Tücke zeigen, wie Marc Simmendinger erzählt: Ein Schüler verwendete den Stift bei einer Klassenarbeit und bekam eine Sechs, denn die Lehrerin hatte die Hefte an einem heißen Tag ins Auto gelegt, sodass das Geschriebene durch die Hitze spurlos verschwand. Erst Kälte im Gefrierschrank machte die Arbeit wieder sichtbar. Käufer des Stifts werden heute gewarnt, nichts Wichtiges damit zu schreiben.

    Was nicht vorrätig am Lager ist, kann Marc Simmendinger in der Regel innerhalb von zwei Tagen für die Kunden beschaffen, auch ausgefallene Wünsche: für ein Konsulat etwa eine ganze Palette Siegellack und für eine Reinigungsfirma eine größere Menge Lohnsteueretiketten, die es sonst nirgends in Stuttgart gab. Im Onlineshop unter www.simmendinger.com sind sogar rund 50 000 Artikel zu finden.

     

    Viele der 300 Firmenkunden sind inzwischen langjährige Stammkunden. Sie alle wissen, dass sie bei Simmendinger schnell und zuverlässig beliefert werden. Dies geschieht mit dem eigenen Lieferwagen. Muss es ganz schnell gehen, dann setzt sich der Firmeninhaber auch mal aufs Motorrad und bringt es persönlich.

     

    Vor allem auch Privatkunden halten dem Geschäft die Treue. Immer wieder kommen ältere Kunden, die schon vor mehr als 60 Jahren ihre Schulsachen hier gekauft haben. Ein ganz besonderer Kunde war übrigens Konrad Kujau, der Fälscher der Hitler-Tagebücher. Er kaufte hier sozusagen seine "Fälscherwerkzeuge", was man natürlich erst nachträglich erfahren hat.

     

    Von Frühjahr 2015 an wird Marc Simmendinger der letzte Bürobedarfshändler in der Stuttgarter Innenstadt sein. Mit viel Engagement wird er sein Traditionsunternehmen, das selbst in Ulf Stolterfoths Langgedicht "Holzrauch über Heslach" Erwähnung findet, immer wieder weiterentwickeln, damit alle Kunden hier das Gesuchte finden. Freundliche und qualifizierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter helfen dabei jederzeit weiter: Der Kunde steht nämlich bei der Büro + Papier Simmendinger GmbH immer an erster Stelle und das nun schon seit 125 Jahren.

     

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